Gemeinschaft – Schule im Wandel
  • Archivfoto der Waldorfschule Potsdam

Schule im Wandel

Gleichwertigkeit, Transparenz und Feedback

Das Schulparlament der Waldorfschule Potsdam ist das gemeinsame Kommunikations- und Beratungsgremium von Eltern, Schüler*innen und Pädagog*innen zu ausgewählten, sie als Schulgemeinschaft gemeinsam betreffenden Themen. Es kann im Rahmen dieser Themen Entscheidungen treffen.

Das Ziel des Schulparlaments besteht darin, ein Ort für Begegnung und wohlwollenden Austausch über verschiedene Interessengruppen hinweg zu werden. Hier soll auf Gestaltungsfreude, Kreativität und Offenheit gesetzt werden. Es ist ein Ort, an dem man lernen kann, wie unterschiedliche Interessen fair miteinander ausgehandelt werden können. Wir treten in Verbindung und sprechen miteinander, nicht übereinander. Es ist ein Ort, an dem man erleben kann, wie Menschen für Funktionen und Aufgaben nicht darum gewählt werden, weil sie gut aussehen, starke Sprüche klopfen oder cool angesagt sind, sondern weil die Gruppe ihnen bestimmte Fähigkeiten zuerkennt, die für diese Aufgabe wichtig sind. Ein Ort, an dem alle mitdenken und die Überlegungen von jeder und jedem zählen, denn nacheinander werden alle gehört. Hier wird das kollektive Wissen genutzt, um sich gemeinsam eine Meinung zu bilden und zu tragfähigen Entscheidungen zu kommen. Im Schulparlament hören wir uns aufmerksam gegenseitig zu und suchen zusammen eine machbare Lösung für diesen Moment. In unseren offenen Diskussionen ringen wir darum, dass am Ende stets die Vernunft siegt.

Das Schulparlament ist „soziokratisch“ organisiert. Die Soziokratie ist eine Fortentwicklung demokratischen Austauschs, gemeinsamer Meinungsbildung und konstruktiver Lösungsfindung. Die Methode basiert auf Gleichwertigkeit, Transparenz und Feedback. Wir fragen uns wiederholt: Haben wir an alles gedacht und niemanden vergessen? Wurde kein Argument überhört?

Mit Hilfe der soziokratischen Kreisrunden können die Kräfte, die in unserer Gemeinschaft stecken, für die Weiterentwicklung unserer Schule freigesetzt werden.

Ganz nebenbei erwerben alle Teilnehmenden durch die gemeinsame, besonnene Beschlussfindung ein neues und erweitertes Verständnis von Demokratie und erleben, wie eine Organisation unparteiische, gerechte und für alle Beteiligten nachvollziehbare Wege beschreiten kann. Durch die gemeinsame Arbeit tritt eine bessere Vernetzung der verschiedenen Gremien unserer Schule ein. Im optimalen Fall werden wir alle Teil eines gesellschaftlichen Wandels hin zu mehr Mitbestimmung und basisdemokratischer Wirksamkeit.

Zur Entstehungsgeschichte des Schulparlaments
Das Schulparlament besteht seit dem Schuljahr 2018/19. Die Gründung wurde nach der Auflösung der Eltern-Lehrer-Konferenz (ELK) 2018 in einem gemeinschaftlichen Prozess beschlossen. Im Schuljahr 2017/2018 hatten die Eltern der ELK ihre Arbeit niedergelegt und träumten von einem Forum, wo sich mehr unterschiedliche Menschen wirksamer über die aktuellen Anliegen an unserer Schule austauschen und effektiv einsetzen können.

Die Gründermütter des Schulparlaments ließen sich von der im Brandenburger Schulgesetz verankerten Schulkonferenz inspirieren und verbanden das dort vorgesehene Gremium mit der Soziokratie. Sie erdachten ein Gremium, in dem die Mitverantwortung jedes Einzelnen für die Gestaltung unserer Schule gefördert und die Zusammenarbeit von Eltern, Pädagog*innen und Schüler*innen gestärkt wird.

„Wenn du ein Schiff bauen willst…“

Wir bauen an unserem „Schiff“ – einer an waldorfpädagogischen Grundlagen orientierten Organisation in Potsdam, die Bildungsangebote für Kinder vom Krippenalter bis zum Abitur macht.

Dafür arbeitet das gegenwärtige Organisationsleitungsteam (bestehend aus 4 gewählten Mitgliedern und der Geschäftsführerin) seit Sommer 2019 an der Entwicklung von Strukturen, die den aktuellen  und gewachsenen Anforderungen an uns als Bildungseinrichtung gerecht werden.

Beim Entwicklen dieser neuen Struktur leiten uns 5 Grundorientierungen, an denen wir unsere gesamte Arbeit ausrichten wollen:

  1. Wir arbeiten miteinander vernetzt.
  2. Jede/r MitarbeiterIn handelt eigenverantwortlich und sozial (mit Blick auf das Ganze).
  3. Wir arbeiten so, dass jede/r sein individuelles, eigenes Potential entfalten und fördern kann.
  4. Entscheidungswege sind kurz und transparent.
  5. Wir vertrauen unserem kollektivem Wissen (die Gemeinschaft weiß „mehr“ als der/die Einzelne).

Bei unserer Vorarbeit dazu sind wir auf neue Organisationsformen gestoßen, die in anderen Einrichtungen bereits praktiziert werden. Besonders orientieren wir uns an Konzepten sich selbst organisierender Teams und Organisationen, die u.a. bei Frederic Laloux in „Reinventing Organizations“ beschrieben und nachzulesen sind.

Mit unserer gemeinsamen Arbeit mit dem gesamten Kollegium zum Kindergarten- und Schuljahresbeginn Anfang August 2021 haben wir die Umsetzung einer neuen Organisationsform gestartet. In einem ersten neuen Schritt werden sich die KollegInnen unserer Einrichtungen in kleineren Gremien als bisher, den sogenannten Stammteams á 10-12 Personen treffen und miteinander vernetzen. Jedes Teammitglied wird zukünftig eine Funktion innehaben, für die es Verantwortung trägt.

Über Einzelheiten des Prozesses und der neuen Struktur informieren wir konitnuierlich – einerseits an Wand links vor dem Schulbüro, die wir nun als Informationstafel für unseren Organisationsentwicklungsprozess nutzen.

Gleichzeitig informieren wir regelmäßig im Schulboten und auf unserer Website  über Neuerungen und Erfahrungen in unserem Veränderungsprozess.

Doch die Struktur, die wir uns und unserer Arbeit geben, ist nur die äußere Form. Wesentlich ist der Inhalt unserer Arbeit und die Leitlinen, der Leitstern, an dem wir uns ausrichten. Daran, dem Blick auf das, was uns in unserer Arbeit leitet, wollen wir gemeinsam mit der gesamten Schulgemeinschaft (Kollegium, Eltern und SchülerInnen) im Herbst 2021 arbeiten. Wir werden hierzu noch gesondert einladen und informieren. Denn:

„Wenn du ein Schiff bauen willst, dann trommle nicht Männer zusammen, um Holz zu beschaffen, Aufgaben zu vergeben und Arbeit zu verteilen, sondern lehre sie die Sehnsucht nach dem weiten endlosen Meer.“ —Antoine de Saint Exupery

(Marlies Burkhardt)

 

Ansprechpartnerinnen für den Organisationsentwicklungsprozess sind:
Heike Müller (Erzieherin Hort / Organisationsleitung)
Marlies Burkhardt (Personalverwaltung / Organisationsleitung)
Kontakt: oe-prozess@waldorfschule-potsdam.de