Die 8. Klasse hat sich in ihrer Geschichtsepoche unter anderem mit dem historischen Moment beschäftigt, als die dampfgetriebene Lokomotive das Reisen grundlegend veränderte. Entstanden sind Zeitungsartikel, wie man sie zu Beginn des 19. Jahrhunderts hätte lesen können. Exemplarisch möchten wir Ihnen drei Beispiele vorstellen. Wir wünschen viel Freude beim Schmökern.
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Der 15. September 1830
Von Moritz K. für den Evening Standard
Am fünfzehnten September 1830 fand eine pompöse und eindrucksvolle Einweihungsfeier statt, zwischen der Schienenstrecke Liverpool und Manchester. Es waren sicher mehr als 100.000 Menschen vor Ort, um diesem beeindruckenden und einzigartigen Ereignis beizuwohnen. Trotz der starken Lobby der „Kanal-Lords“ konnte sich George Stephenson mit seinen Plänen für die Trasse „Liverpool – Manchester“ beim zweiten Anlauf schließlich im Parlament durchsetzen. Die Einweihungsfeier zeigte eine beeindruckende Darstellung des technischen Fortschritts und ist der Beweis für die Genialität und die erfinderische Kreativität des menschlichen Geistes. Der „Maschinendoktor“ Stephenson, dem wir dieses technische Wunderwerk zu verdanken haben, ist das perfekte Beispiel dafür, dass selbst ein Analphabet heute Geniales vollbringen kann. Seine Lokomotive gewann schließlich den Wettbewerb.
Allerdings nahm die Veranstaltung auch eine tragische Wendung. Als der Politiker William Hoskinson während eines kurzen Zwischenstopps in Newton the Willows aus dem „eisernen Gefährt“ ausstieg, um den Premierminister zu begrüßen, unterschätzte er die Geschwindigkeit der von George Stevenson entworfenen „Rocket“. Er wurde von ebendieser erfasst und tödlich verletzt. Er verstarb kurze Zeit später im Krankenhaus.
Dieser Vorfall sorgte für eine erneute Diskussion unter den Bürgern unserer schönen Stadt. Dennoch glauben viele an den Erfolg der beeindruckendsten, qualmenden, robusten Dampflokomotive, der Revolution unserer Zeit, an deren Nutzung und dem Transport von Gütern und Personen, und dass sie diesen erheblich erleichtern würde.
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Tragischer Unfall
Ava A. für die Daily News
Liebe Leserschaft, hier, und nur hier, erfahrt ihr aus vertrauenswürdiger Quelle über den tragischen Unfall von William Huskisson. Nicht nur der Politiker ist gestern verunglückt, sondern auch die legendäre Jungfernfahrt der Lokomotion fand gestern Nachmittag statt.
An diesem Tag wohnten tausende von Menschen dem Ereignis bei, denn dieser Tag sollte Wirtschaft und Technik revolutionieren. Die Menschenmenge jubelte begeistert, der Dampf der Lokomotive entwich. George Stevenson, ein genialer Erfinder unserer Zeit, erreichte gestern den nicht ganz unumstrittenen Erfolg. Zuletzt verbessert er den Transport von Waren und Textilien immens.
Zurück zum Geschehen: die Lokomotive fährt ein, in den Bahnhof von Manchester. Die Menge jubelt, Fähnchen flattern im Wind. Der Lärm ist ohrenbetäubend und nun erfolgt ein großer Rückschlag für die Transportindustrie. Der Politiker William Huskisson wird beim unerlaubten Ausstieg schlägt von dem gegenüberliegenden Zug erfasst, wobei er sein Bein verliert. Gleich darauf wird er ins Krankenhaus gebracht und verlässt dort diese Welt dort für immer. Ein Tag, der alle zum Nachdenken anregt .
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Die Lokomotion
Von Lady Cassandra Cambert alias Katharina E.
Wir standen am Gleis, alle waren gekommen. Eine solche Menschenmenge hatte ich in meinen Lebtagen noch nicht gesehen. Die wohlhabenden Nachbarn von Gegenüber hatten sogar ein Ticket nach Manchester ergattert. Das Publikum war zwiegespalten; überall standen Leute, die begeistert jubelten, als der Dampf aus den Schornsteinen zog und jemandem die Kehle zuschnürte.
Irgendwann würden wir alle am dichten Rauch ersticken, und auch die Geschwindigkeit sei ja geradezu unverschämt, sagen die einen. Die Streichholzfabrik meines Onkels ist jetzt schon fast pleite. Denken diese eingebildeten Schwachköpfe denn gar nicht an die Bevölkerung? Und der arrogante Stephenson – da kann man sich wahrlich aufregen. Der glaubt doch immer noch, dass seine schwachsinnige Erfindung in unserer Gesellschaft Zuspruch findet. Ganz recht, so hell ist er dann auch wieder nicht. Aber nun gut, genug davon. Zurück zum Geschehen.
Ihr habt alle sicherlich von dem tödlichen und umso tragischeren Unfall gehört. Hier und nur hier bekommt ihr absolut neutrale und unvoreingenommene Informationen:
Der von uns allen geliebte Politiker William Huskinson mit einer Warze auf der linken Wange verstarb „durch die Hand“ (metaphorisch gemeint) von George Stevenson. Er stieg, wie reiche Politiker es machen, auf der falschen Seite des Zuges aus und blieb mit einem Bein an den Gleisen hängen. Sein Leben endete kurze Zeit später im Krankenhaus. So endete dieser unheilvolle Tag.