Neues aus Sansibar

Unglaublich, was zu schaffen ist, wenn man gerade die Waldorfschule verlassen hat und mit frischem Mut und festem Ziel in die Welt hinaus geht.

Als ich heute morgen in der Schule ankam, werkelte es bereits und es wimmelte von Deutschen. Von den beiden frischen Stuttgarter Abiturienten Oskar und Fabio hatte ich schon gehört. Sie haben einen Blog, der äußerst lesenswert ist und auf jeden Fall zum Nachahmen anregen kann!

https://sansibar-projekt.jimdosite.com/blog/

Heute waren, auf Initiative der beiden, ein fröhlich-kompetentes vierköpfiges Team von KuKuk-Kultur und Oskars Eltern vor Ort, um einen Spielplatz zu bauen. Einfach nur großartig, wie da zusammen mit den Kindern die Mahagonibretter zurecht geschliffen und die Stämme verbunden wurden. Die Schrauben, Schaukeln, das Werkzeug haben sie alles mitgebracht, denn hier das Entsprechende zu besorgen ist ein eher schwieriges Abenteuer.

Ich konnte meine Kenntnisse im Makutiflechten aus vergangenen Besuchen einbringen und fand mich bald umgeben von „meinen“ munter schnatternden ehemaligen Schülern wieder. Sie sind inzwischen in der zehnten Klasse und haben Unterricht im neuen luftig großen Schulgebäude, das für die Secondary School, die Schüler ab Klasse 8, pünktlich zum Schulstart heute fertig wurde.

Überhaupt hat sich an den Gebäuden viel getan. Sie sind gemeinsam mit den Schülern und unter Anleitung der russischen Künstlerin Luba 😉 wunderschön bemalt worden.

Nun stehen die Vorbereitungen für die zweite Klasse an, die kommenden Montag beginnt. Ich habe eine Kissenhülle aus unserer Unterstufe mitgenommen, mit der Saade und Esther morgen in ein Schneiderprojekt für Frauen losziehen, um geeignete traditionelle Stoffe auszusuchen und die Kissen in Auftrag zu geben. Vielen Dank unseren Fünftklässlern, die dies möglich gemacht haben! Als Füllung werden wir erstmal kleine Bohnen ausprobieren. Sie sind erschwinglich und überall hier zu bekommen.

(Catharina Engelke)

Unsere Abiturklasse auf historischer Exkursion

Im Geschichtsunterricht von Kl. 13 ist eine Exkursion vorgesehen. Für das letzte der drei Prüfungsthemen, Kalter Krieg, wählten wir einen weltweit einzigartigen, aber bei uns nicht so bekannten Gedenkort: das einzige Untersuchungsgefängnis des sowjetischen Geheimdienstes außerhalb von Russland.

In Potsdams Leistikow-Straße, damals im „Russischen Städtchen“ gelegen, wurden sowohl Russen als auch Deutsche unter üblen Bedingungen gefangen gehalten. Männer wie Frauen, einige noch nicht 18 Jahre alt, wurden zumeist der Spionage, Sabotage oder „antisowjetischen Propaganda“ angeklagt; Geständnisse wurden auch unter Folter erzwungen.

Das häufigste Urteil lautete 20 oder 25 Jahre Zwangsarbeit in im Lager Workuta nördlich des Polarkreises. Es wurden ebenso Todesurteile gefällt, sogar für Jugendliche. Die Ausstellung rekonstruiert Einzelschicksale, man kann Zeitzeug*innen hören.

(S.Hesse)

Online Essen? Nein. Aber online einen Plan haben – ja!

Wir freuen uns, Ihnen und euch mitteilen zu können, dass wir zukünftig den Essensplan der Firma Delifrizz als PDF auf unserer Website veröffentlichen werden, so dass alle Familien jederzeit den Plan abrufen/einsehen können und bei Abwesenheit in der „Bestellwoche“ gerne die Bestellung per Mail zugesandt werden kann!

In der Hoffnung so die Zukunft der irgendwann kommplett papierfreien Essensbestellung eingeläutet zu haben wünschen wir – guten Appetit!

https://waldorfschule-potsdam.de/aktuelles-mittagessen/

(Sabine Mirow)

Rechenbeispiel

3 Tage + 5 Kilometer + 300 Euro + 7 Stunden + Wasser + Strom + Reinigungsmaterialien + Menpower + Liebe zur Schulgemeinschaft + Interesse an Nachhaltigkeit = schöner Boden im Foyer

So kann angewandte Mathematik aussehen. Während ihr bereits in den Weihnachtsferien wart, hat Ebrahim 3 Arbeitstage lang (24 Stunden!) den vergrauten Boden im Foyer gründlich gereinigt, Jochen ist dem Lastenrad durch die Stadt gefahren und hat alles verfügbare Hartwachsöl besorgt, die Schule musste 300 Euro dafür bezahlen, Georg hat 7 Stunden lang den sauberen Boden neu geölt und versiegelt, Kosten für Wasser, Strom und Reinigungsmaterialien sind angefallen, körperlich z.T. schwere Arbeit war zu leisten (Menpower!)…

Und warum dieser Aufwand? Weil uns die Schulgemeinschaft am Herzen liegt (der Boden im Foyer sieht jetzt zu zwei Dritteln schön aus) und weil wir an Nachhaltigkeit interessiert sind: Holz will gut gepflegt sein. Solche aufwändigen und teuren Maßnahmen sind keine Kleinigkeit, die wir mal eben schnell und oft leisten können, weder finanziell noch im Hinblick auf die Ressourcen Zeit und Kraft.

Klaus fegt den Boden jeden Tag, weil Sand ihn zerkratzt. Stühle, die hin- und hergeschoben werden kratzen auch. Da seid ihr alle dran, die Beine in die Hand zu nehmen und die Stühle zu tragen. Bitte, bitte, helft alle mit, unsere Holzböden gut zu behandeln! Auch in den Klassenräumen. Wir lieben es alle, wenn unsere Schule ein schöner Ort ist.

(Jochen Asmussen)

Exkursion nach Sachsenhausen

Um in unserem Projekt Stolpersteine auch visuelle Eindrücke zu sammeln, entschieden wir uns dazu, die Gedenkstätte Sachsenhausen zu besuchen. Ein sehr bewegender Moment war das Hindurchlaufen durch das Eingangstor des ehemaligen Konzentrationslagers, durch welches auch die Häftlinge geführt worden waren. Wir erblickten ein großes, schneebedecktes Feld, auf dem die Fundamente vieler inzwischen abgetragener Wohn-Baracken nur schwer erkennbar waren. Der graue Himmel und die eisigen Temperaturen verstärkten ein Gefühl der Beklemmung.

In einer ehemaligen Baracke konnten wir uns ein genaueres Bild machen, wie die Häftlinge lebten und behandelt wurden. Sehr spannend waren für uns die einzelnen Gegenstände, da jeder von ihnen eine eigene Geschichte hat und uns ein Stück in die Vergangenheit versetzte.

In der Häftlingsküche interessierte uns besonders, dass die Gefangenen dort Zeichnungen an die Wand brachten und so ein Überrest von ihnen zeugte. Wir waren erstaunt, wie humorvoll sie das Waschen der Kartoffeln abbildeten.

In der von den Nazis zynisch genannte „Station Z“ erfolgte die Hinrichtung der Gefangenen. Daneben lag das Krematorium, von dem noch wenige Überreste zu sehen waren. Das war für uns wohl der bedrückendste Moment, hier legten wir Rosen nieder.
Leider war uns immer wieder wegen der Coronalage der Zugang zu Gebäuden verwehrt, so z.B. zu den Medizinbaracken, in denen früher Versuche am Menschen durchgeführt wurden, oder zum sowjetischen Speziallager (1945-50).

Für uns als Stolpersteinprojekt sind die Einzelschicksale sehr bedeutend, weswegen wir viel Zeit damit verbrachten, Biographien zu lesen. In der Baracke 38 gab es für uns auch die Möglichkeit, nach Namen zu suchen, zu denen wir im Rahmen des Projektes forschen.

Ein sehr bewegender Ort auf dem Gelände war das zusätzliche Gefängnis, in dem die Gefangenen festgehalten und misshandelt wurden. Die Insassen waren meist Menschen, die den Befehlen nicht Folge leisteten, man sperrte sie wochenlang in dunkle Zellen ein, bis sie teilweise starben. Zu wissen, dass genau an jenem Ort Menschen umkamen, setzte uns sehr zu.

Insgesamt können wir sagen, dass für uns der Besuch sehr bewegend und informativ war. Wir denken, dass eine Besichtigung der Gedenkstätte Sachsenhausen sehr wichtig ist, denn so erhalten wir das Gedenken an die Opfer des Holocaust aufrecht.

(Linus Abt, 12. Klasse und Heinrich Mirow, 11. Klasse)

Neues Glas aus alten Flaschen…

… Schreibpapier aus Altpapier, Wahlplakate zu Badelatschen. Wahlplakate zu Badelatschen? Ja, und dank der politischen Sitzordnung auch für jeden Fuß den richtigen Latsch. Was als spontane Idee entstand, könnte nach der nächsten Wahl vielleicht ein neuer Modetrend werden? Gut, es bedarf noch einiger Verbesserungen im Fertigungsverfahren, aber der Rohstoff der Latschen wäre in Mengen vorhanden. Geht man davon aus, dass der Großteil aller Wahlplakate auf dem Müll oder in der Müllverbrennung landet, scheint eine Weiternutzung durchaus sinnvoll. Der Praxistest steht allerdings noch aus. Es ist halt gerade zu frisch zum Schlappen Tragen.

Und was mit veralteten Fachbüchern aus der Lehrerbibliothek anfangen, in die doch keine Pädagogin mehr die Nase steckt? Wie wäre es mit recyceln im Stile der „Weißen Kunst“, dem Papierschöpfen? Beim ersten Versuch mit Papierresten aus dem schuleigenen Papiercontainer (man glaubt ja gar nicht, wie viel Papiermüll an unserer Schule täglich zusammenkommt) stellten wir ein eher grobes, noch etwas dickes Papier her.

Aber es entstand fast klimaneutral: Schnipseln per Hand, Regenwasser für die Papierpulpe, erhitzt über dem Holzfeuer der Feuerschale, geschöpft mit handgemachten Sieben, getrocknet mit Raumwärme. Nur beim Glattbügeln benötigten wir Strom aus der Steckdose. Beim zweiten Versuch nutzten wir ausgewählte Papiere, gaben den wiederum handgeschnipselten Papierresten weiße Farbpigmente und etwas Waschmittel zum Lösen der Druckerschwärze dazu und setzten die Papierpulpe mit heißem Wasser aus dem Wasserkocher an. Das folgende Pürieren gab dem Papierbrei die nötige Konsistenz, um weiße und sogar recht dünne Schreibpapiere herzustellen. Getrocknet, gebügelt und sauber zugeschnitten, wollen wir sie den Sonnen- und Erstklässlern als Malpapier bereitstellen. Aus den Pappdeckeln der ausrangierten Bücher probierten wir, Klemmbretter für das Arbeiten im Gelände herzustellen. Ein Klassensatz ist fast fertig und in der Lehrerbibo auszuleihen.

Die Sache mit den Gläsern aus alten Flaschen, die im Glascontainer landen, war gar nicht so einfach, wie im Video zuvor gesehen: eine kleine Manufaktur auf Sansibar sammelt Glasflaschen von den Restaurants ein und recycelt diese dann zu Trink- und Aufbewahrungsgläsern, mit und ohne Deckel in verschiedenen Farben und Formen. Die Arbeitsschritte sahen denkbar einfach aus. Die eigene Umsetzung, vor allem das Schneiden des Glases, war dann doch eine Herausforderung. Auch hier gäbe es noch Verbesserungsbedarf, denn beim Begutachten von originalen Gläsern für Gewürze aus Sansibar, mitgebracht von Catharina Engelke, gab es doch noch qualitative Unterschiede zu sehen.

Die aufgezeigten Beispiele aus dem Oberstufenprojekt „Recycling vor Ort“ sollen ein erster Anfang sein, zukünftig etwas genauer hinzuschauen beim Nutzen von Ressourcen und vor allem beim Entsorgen: ließe sich vielleicht noch ein weiterer Gebrauchsgegenstand daraus herstellen?

Sehr wünschenswert wäre das Etablieren eines Repair-Cafes, bei dem vor allem elektrische und elektronische Geräte auf ein längeres Leben hoffen dürfen. Lasst uns dazu ins Gespräch kommen. Raum und Zeit sollten sich einrichten lassen!

(Thomas Popp)

Schulgeld für Firdaus

Als ich 2018 aus meinem Sabbatical von Sansibar zurückkam, habe ich über die Freunde der Erziehungskunst einen Schulgeldfonds ins Leben gerufen. Meine Idee war es, damit auch den Mitarbeiterkindern den Besuch der Waldorfschule zu ermöglichen, an der ihre Eltern mit so viel Herzblut arbeiten. Auf die Weise ist es gelungen, dass Firdaus, der Sohn des Fahrers 2019 die erste Klasse beginnen konnte. Er ist ein aufgeschlossener Junge, beliebt bei seinen Klassenkameraden, mit einem breiten Lächeln und immer zu einem Schwätzchen bereit. In den Pausen klettert er äußerst geschickt auf Bäume=Palmen! und spielt Fussball. Sein Vater, der auch ein begnadeter Handwerker ist, arbeitet leider inzwischen nicht mehr an der Schule, umso schöner aber, dass Firdaus nun im kommenden Januar bereits in die vierte Klasse kommt. Seine Mathelehrerin erzählte mir gerade, welche guten Fortschritte er gemacht hat und wie fokussiert und stolz er beim Rechnen dabei sei.

Eine Schule wie die Sansibar Steiner School, „am anderen Ende der Welt“, am Laufen zu halten, ist ein enormer Kraftakt. Es gibt Fluktuation bei den Lehrern, Gebäude müssen gebaut und in Stand gehalten, der Schulgarten gepflegt und Hühner und Bienen versorgt werden. Manches Jahr konnte aus Geldmangel gar keine erste Klasse starten. Gleichzeitig wachsen die bestehenden Klassen herauf und stehen als „Secondary School“ vor ganz neuen Herausforderungen und staatlichen Anforderungen.

Da macht es große Freude, der stabilen Entwicklung von Firdaus zu folgen! An dieser Stelle möchte ich allen danken, die durch ihre Unterstützung dazu beigetragen haben, ihm den Schulgang an dieser feinen kleinen Schule zu ermöglichen!

Diejenigen, die zu Weihnachten noch ein Geschenk in die Welt schicken wollen, möchte ich gerne eine Spende an den 4973 Zanzibar Mitarbeiter-Schulgeldfonds über die Freunde der Erziehungskunst ans Herz legen. Jeder Beitrag ist willkommen – zusammen ermöglichen sie Firdaus ein weiteres Schuljahr! Im Januar werde ich ihn und die Schule besuchen und sein Schulgeld übergeben.

Spendenkonto:
GLS Bank Bochum | IBAN DE47 4306 0967 0013 0420 10 | BIC GENODEM1GLS

Bitte geben Sie bei einer Spende unbedingt als Verwendungszweck an:
4973 Zanzibar Schulgeldfonds sowie Ihre Adresse für die Zuwendungsbestätigung.

Alle anderen Spenden, wie die, die jetzt gerade von den fleißigen Fünftklässlern gesammelt werden, sind projektbezogen und werden für ganz gezielte Vorhaben eingesetzt. Auch darüber werde ich in einem der ersten Schulboten des neuen Jahres berichten.

Frohe Weihnachten!
Asante sana/Vielen Dank!

(Catharina Engelke)

Stand zum Förderprogamm Ganztag

Über das Beschleunigungsprogramm Ganztag konnten wir in den letzten Monaten einige Dinge realisieren. Das alte Werkstattgebäude ist abgerissen worden und für das neue Gebäude ist die Bodenplatte fertig. Wir hatten gehofft, das wir auch noch den Rohbau schaffen, aber aufgrund der allgemein angespannten Marktlage war das nicht möglich. So warten wir nun auf das Folgeprogramm, was voraussichtlich im Frühjahr aufgelegt wird, um den Bau zu beenden.

Geschafft haben wir aber die Neupflanzung diverser Bäume und die Verschattung des Sandkastens auf dem Schulhof. Der Hort konnte sich über diverse Bewegungs-Spielgeräte freuen und im Ganztagsbereich gibt es bald Schutz durch ein Zelt in Jurtenform.

Der Übergang vom Hortgebäude zur Schule hat jetzt ein neues Treppengeländer und Sitzmöglichkeiten in Form von Holzbänken.

(Simone Sonntag)

Oberstufen-Projekt „Erzählen in Bildern“

Geschichten erzählen und darstellen – das gehört seit Urzeiten zur Menschheitsgeschichte. Der Focus des Projekts liegt auf unterschiedlichen Wegen zu Geschichten und Bildern. Was ensteht im Kopf und auf dem Blatt, wenn wir Geschichten hören oder lesen. Wie erzähle ich, damit Bilder entstehen? Wie gestalte ich Bilder, dass im Inneren des Betrachters Geschichten entstehen? Diesen und mehr Fragen sind wir auf der Spur. Im Moment entwickeln sich um diese herum kleine Einzel-Projekte.

(S. Pickel und C. Bathke)

Kindersoldat unter den Nazis: Zeitzeugengespräch mit Armin Lufer

Im Rahmen des Oberstufenprojekts „Stolpersteine“ bekamen wir die Möglichkeit ein Gespräch mit dem Zeitzeugen Armin Lufer (*1929) zu führen.

Nach der Begrüßung begann Herr Lufer zunächst von seiner frühen Kindheit zu berichten. Er wuchs in einer typisch militärisch preußischen Familie in Breslau auf, wodurch beispielsweise die Autoritätshörigkeit einen wesentlichen Einfluss auf seine Erziehung nahm. Sie lebten in sehr einfachen Verhältnissen.

Mit zehn Jahren (1938) wurde er Mitglied des Jungvolks. Dies war eine Gruppe der Hitlerjugend, die vor allem jüngere Kinder (10-14) zur Teilnahme verpflichtete. Im Gegensatz dazu nahm sein Umfeld (Familie und Schule) wenig Einfluss auf seine politische Gesinnung, da sich jeder in seiner Meinung und Äußerungen, aus Angst vor möglichen Konsequenzen, zurückhielt.

Mit gerade einmal 15 Jahren (1943), als der Krieg eine Wendung nahm und Goebbels die berühmte Sportpalastrede hielt, in der er zum „Totalen Krieg“ aufrief, wurde Lufer in die Barthold-Kompagnie eingezogen. Dort arbeitete er mit Gleichaltrigen an der Aushebung von Panzer- und Schützengräben. Dieser Einsatz prägte die Jungen maßgeblich.

Im Dezember 1944 wurde er, im Zuge des Dritten Aufgebotes („Hitlers letzte Rache“), ohne zu wissen, wo er stationiert würde, abkommandiert. Die Jugendlichen wurden mit Uniformen und Waffen ausstaffiert, um anschließend als Kindersoldaten eingesetzt zu werden, ohne je zuvor eine Waffe in der Hand gehalten zu haben.

Da er sich in seiner Heimatstadt Breslau gut auskannte, fungierte er dort als Melder. Die niedrigen Temperaturen sorgten mit der Zeit für schwere Erfrierungen, wegen denen Armin Lufer das Kriegsende im Lazarett erlebte. Dort wurde er von anderen, älteren Kriegsverletzten mit missbilligen, verachtenden Blicken und Worten bedacht. Dies verletzte
ihn so sehr, dass ein Arzt Einsehen hatte und ihn auf eine andere Station verlegte. Sobald man ihn aus dem Lazarett entließ, begab er sich zu Verwandten nach Thüringen, wo er auch seine Eltern wieder traf.

Heute gehört Herr Lufer zu den wenigen lebenden Zeitzeugen und trägt zur Aufklärung der NS-Zeit bei. Das Gespräch war höchst interessant und hat unser Projekt bereichert.

(Lydia und Mirabelle (12. Klasse))