Good morning, Teacher!

Um 5:00 ertönt das erste Mal der Ruf des Muezzins. Dann weiß ich, dass ich langsam aufstehen muss. Wenn um 6:15 die Glocken der Anglikanischen Kirche am ehemaligen Sklavenmarkt läuten, ist es Zeit, loszugehen. Nicht weit von meinem idyllischen Domizil über den Dächer von Stonetown wartet der Schulbus.

Immer wieder halten wir an und warten an verabredeten Stellen auf Lehrer und Schüler. Dann geht es für 40 Minuten die Küste entlang nach Bububu im Norden. Vor der Kidichi Spicefarm steigen wir aus und laufen einen der wohl schönsten Schulwege entlang durch die Natur, vorbei an Kokospalmen, Guaven-, Mango-, Nelkenbäumen, Neem trees und Mkungu, der großblättrigen sansibarischen Mandel. Schwer hängen Avocados und reife Jackfruits an den Zweigen. Nach 10 Minuten erreichen wir das Schulgebäude und gleich strecken sich mir unzählige Hände der Schulkinder entgegen: Good Morning Teacher!

Ab dann gleicht der Tag einer Wundertüte: ich hospitiere, wo es spontan erwünscht oder geplant verabredet ist, vertrete, wenn plötzlich ein Lehrer fehlt, bespreche Epochenpläne, helfe Melodien erflöten, Mikroskope reinigen, gebe Feedback oder räume den Büroschrank auf. Von einer Sekretärin kann man hier nur träumen.

Um 10:30 gibt es die Frühstückspause und jedes Kind bekommt ein dickes Erdnussbutterbrot oder auch mal eine halbe Kochbanane mit Salat.

An meinem ersten Tag war ich in der 2. Klasse – welch ein Zusammentreffen: an der Tafel die Fabel vom Löwen und der Maus, die gerade einige unserer Zweitklässler als Schattentheater aufgeführt haben. Mit den Zweitklässlern war ich am selben Tag Guaven ernten. Einige Äffchen, die auf dem Schulgelände wohnen wie bei uns die Eichhörnchen, sprangen kreischend in den Zweigen schunkelnd davon. Die Kinder waren so eifrig in die Bäume zu klettern, dass sie ihre Schuhe von sich in den dichten Dschungel warfen – zwei Paar waren damit vorerst verschwunden.

Nach der einstündigen Mittagspause, in der es meist Reis, braune Bohnen und etwas Krautsalat gibt und in der Nachbesprechungen, Planungsgespräche oder administrative Aufgaben erledigt werden, folgen weitere Unterrichtsstunden. Hin und wieder fällt dann der Strom aus, was bedeutet, dass die Ventilatoren still stehen und der Unterricht angesichts der stickigen Hitze nach draußen verlegt werden muss. Internet gibt es gerade gar nicht, was es den Lehrern schwer macht, Material runterzuladen, zu recherchieren oder zu drucken. Mit ihrem geringen Gehalt können sie sich kaum für den Eigenbedarf die Rubbelkarten-Internetpakete leisten.

Um 15:15 machen wir uns auf den Rückweg – wenn alles gut geht. Es kann auch schon mal 17:00 werden, bis ich verschwitzt, sehr erfüllt und ziemlich müde nach Hause komme.

(Catharina Engelke)